Interview in der FAZ: Es geht um viel mehr als Perfektion
„Der Bariton Holger Falk ist einer der renommiertesten Interpreten des Kunstlieds und sagt, das klassische Lied sei in der Krise. An der Universität Graz, wo er Professor für Lied und zeitgenössische Vokalmusik ist, arbeitet er am Forschungsprojekt „Re-Claiming Kunstlied“. (…)
Wer Holger Falk einmal auf der Bühne erlebt hat, ganz egal ob in der Oper oder bei einem Konzert, vergisst den Eindruck, den der Bariton beim Zuhören hinterlässt, so schnell nicht wieder. Falk singt mit allem, was er hat. Die ganze Persona ein Resonanzraum. Er sei ein „Ausdrucksextremist“ oder „Berserker auf der Bühne“, war in Kritiken zu lesen, er selbst spricht lieber von der „sinnlichen Körperlichkeit“ seines Bühnen-Alter-Egos. (…) Nach seinem US-Debüt hat der Musikkritiker der „Washington Post“ geschrieben, Falk hätte auch in Sanskrit singen können und trotzdem hätte jeder Zuhörer fühlen können, wovon er sänge, und wäre berührt gewesen. Es ist seine Idee der Verkörperung von Kunst, von Musik, die bei ihm so augenfällig ist und die ihm in seinem Metier immer öfter fehlt – ganz besonders im Liedgesang. Es gibt hierzulande wohl kaum einen größeren Liedexperten, zumal für Neuere Musik, als den Frankfurter Bariton.“
Thilo Komma-Pöllath, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25. Januar 2026